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13.06.2018 | 21:00 Uhr

Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zur Fußball-WM

Bielefeld (ots) - Wo sollen schon sonst echte Männerfreundschaften
entstehen, wenn nicht beim Fußball? Noch besser ist, wenn gerade die
WM beginnt. Da kommen dann solche Sätze wie: »Ein ganz, ganz, ganz,
ganz großes Dankeschön, für Ihre Begeisterung. Dank Ihnen haben wir
das Gefühl, dass wir Teil eines Teams sind.« Dreimal dürfen sie
raten, wer da wem schmeichelte. Gianni Infantino, Präsident des
Fußball-Weltverbandes, fiel auf die Knie vor Kreml-Chef Wladimir
Putin.

Der Schweizer Funktionär versuchte auch noch, witzig zu sein. Sein
Bonmot zum Turnier: »Russland bringt den Mythos der Unbesiegbarkeit
mit sich. Aber die Breaking News von heute ist, dass Russland
erobert werden wird. Russland wird vom Fußball erobert werden.«
Junge, Junge. Da wackelt jetzt ein Weltreich. Und es versteht sich
von selbst, dass die Fußball-Familie wieder einmal vor nicht weniger
steht als dem schönsten Event, das es je gab auf diesem Planeten.
Auch das: Original-Einschätzung Infantino. Die verbale Schleimspur
zieht sich aus dem Fifa-Sitz Zürich direkt bis nach Moskau.

Ob die Herrscher über Fußball und Russland wirklich glauben, die
Menschen seien dumm genug, alles zu glauben, was ihnen weisgemacht
werden soll? Noch zu verstehen ist, dass sich Fans in den nächsten
vier Wochen tatsächlich nur um die Spiele ihrer Mannschaft kümmern
und sich nicht um das zweifelhafte große Ganze scheren. Dennoch muss
sich ein Infantino fragen lassen, warum er den emsig laufenden
WM-Geldpressen alles unterordnet und sogar das eigene Bewusstsein
konsequent ausverkauft. Weil auch er keinen Deut wahrhaftiger ist
als manch anderer im Business.

Die russische Rolle im Syrienkrieg, die Krim-Annexion und der
Konflikt mit der Ostukraine mögen für einen Sportverband auch dann
niederrangig sein, wenn in diesem kritisch beäugten Land eine den
Globus umspannende Veranstaltung stattfindet. Es ist diese Aalglätte,
die nervt. Alles cool. So lange, buchstäblich, der Rubel rollt. Und
in acht Jahren dann der Dollar. Denn die von den USA befeuerte
Gemeinschaftsbewerbung mit Mexiko und Kanada für die WM 2026 hat
Marokko mit doppelt so vielen Stimmen und einem ebensolchen
Gewinnzuwachs aus dem Feld geschlagen.

Zum Trost: Donald Trump darf dann dem US-Wahlzyklus zufolge nicht
mehr Präsident sein. Wie zum Hohn bejubelte er gestern die
Wahlentscheidung der Fifa-Delegierten, dabei will der unlenkbare
Regierungschef den Co-Gastgeber Mexiko per Mauer abtrennen lassen.
Es ist nicht Einsicht, sondern notwendiges Übel, dass die im
Prinzip abgeschaffte Weltoffenheit der USA in acht Jahren ein
Kurz-Comeback feiern soll. So wird sich nach Belieben durchlaviert
und gegenseitig gefeiert, auch Fußball dient den Scheinheiligen.



Pressekontakt:
Westfalen-Blatt
Chef vom Dienst Nachrichten
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 - 585261

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